Das Henni-Lehmann-Haus in Vitte ist heute eine der Anlaufstellen für das kulturelle Leben auf Hiddensee.

Im ehemaligen Wohnhaus der vielseitig tätigen Künstlerin und Gründerin des „Hiddenseer Künstlerinnenbundes“, Henni Lehmann, finden Ausstellungen, Vorträge und andere Events statt. Gleichzeitig beherbergt das große Haus die kommunale Bibliothek.

Öffnungszeiten

Allgemein hat das Henni-Lehmann-Haus in der Saison zwischen 12:30 Uhr und 15:30 Uhr geöffnet. Informationen zu den Öffnungszeiten in der Saison bzw. Nachsaison und Sonderfälle erhalten sie auf der offiziellen Webseite des Seebads Hiddensee.

Das Henni-Lehmann-Haus ist der kulturelle Anlaufpunkt in Vitte. Auch die Inselbibliothek ist hier integriert.
Henni-Lehmann-Haus in Vitte

Veranstaltungen, Ausstellungen und Bibliothek

Wer Literatur über die Insel oder einen allgemeinen Schmöker für Regentage sucht, kann den Service der kommunalen Bibliothek nutzen, die im Erdgeschoss untergebracht ist. Die Ausleihe von maximal 3 Medien pro Vorgang erfolgt kostenlos (Kurkarte vorzeigen!), es müssen nur 5 € als Pfand hinterlegt werden, die man aber nach Rückgabe der Medien zurückerhält.
Gleichzeitig finden hier Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge oder auch Ausstellungen (die über Gustav Eggerts war sehr schön) statt.

Früher befand sich hier auch das Wetterstudio (Dachgeschoss des Hauses).

Lage des Henni-Lehmann-Hauses

Das Gebäude finden Sie direkt am Wiesenweg in Vitte, kurz hinter der Kreuzung mit dem Achtern Diek. Die Entfernung zum Hafen beträgt etwa 120 Meter.

Geschichte des Henni-Lehmann-Hauses

Die Malerin Henni Lehmann (1887 – 1937) entstammte einem wohlhabendem jüdischen Elternhaus und machte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr um die kulturelle Entwicklung Hiddensees verdient. So gehörte sie zu den Initiatorinnen des Hiddenseer Künstlerinnenbundes (Mitgliederinnen bzw. assoziiert u.a. Katharina Bamberg, Elisabeth „Tante“ Büchsel und Elisabeth Andrae), dem sie auch lange Zeit vorstand. Henriette Lehmann machte sich sehr um Hiddensee verdient. Nicht nur, dass sie die Genossenschaftsreederei mitbegründete, sie stellte auch das nötige Darlehen zum Bau des Arzthauses für den Inselarzt zur Verfügung. Ihr gesellschaftliches Engagement wurde ihr schlecht gedankt, als die braune Dunkelheit über Deutschland hereinbrach.

Anfang des Jahrhunderts erwarb die Familie Lehmann die alte Scheune der Bäckerei Schwarz und ließ diese zu einem Atelier und einer Werkstatt umbauen, in der später auch Ausstellungen abgehalten wurden. Durch den blauen Anstrich, den ihr Henni Lehmann verpassen ließ, bürgerte sich schnell der Begriff der Blauen Scheune ein. Bis heute ist die Blaue Scheune eines der meistfotografierten Objekte auf Hiddensee.

Gleich neben der Blauen Scheune, die seit jeher nur Arbeitsplatz der Malerin war, ließen sich die Lehmanns vom Architekten Paul Ehmig ein Wohnhaus errichten, dass sie bis zum Jahr 1937 als Sommerwohnsitz nutzten.

Einige Künstlerinnen aus dem Künstlerinnenbund waren Jüdinnen, was deren Schicksal nach dem Machtantritt der Nazis 1933 quasi besiegelte. Die Unterdrückung und spätere Auslöschung des jüdischen Lebens in den deutschen Herrschaftsgebieten verschonte auch den Hiddenseer Künstlerinnen nicht. Henni Lehmann wählte den Freitod, während Malerinnen wie Clara Arnheim und Käthe Löwenthal in den Konzentrationslagern starben. Nach dem Tode Henni Lehmanns erwarb die Gemeinde Hiddensee das Wohnhaus und nutzte es nach einem Umbau bis 1991 als Rathaus.
Von 1997 bis zum Sommer 2000 wurde das Haus abermals umgebaut und trägt seitdem den Namen Henni-Lehmann-Haus, auch nicht zuletzt der großen Verdienste Henni Lehmanns um die Entwicklung der Infrastruktur auf Hiddensee.

Der Dramatiker und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann sah das Treiben der „Malweiber“ (ein Begriff, den die Malerinnen selbst ablehnten) auf Hiddensee kritisch und spottete in seinen Tagebüchern:

Hiddensee. Es ist ein ekelhaft bekrochenes Eiland geworden. Ein dickes Weib hat eine Villa errichtet und malt frech vor der Tür mit zwei Zentnern am Leibe. Fürchterlich!

Aber auch der selbsternannte Inselkönig konnte am Erfolg der Malweiber um Henni Lehmann nichts ändern, so oft er auch gegen sie polemisierte.

Einen guten Überblick über die Künstlerszene auf Hiddensee gibt die Buchveröffentlichung Hiddensee: Insel der Fischer, Maler und Poeten